Für sie. Für ihn. Für alle.
Für sie. Für ihn. Für alle.

Tann

Tann

Tann (Rhön)

So war der Mauerfall bei uns…

 Mein Heimatort liegt in der sozialdemokratischen Diaspora. Teil der ehemals zu Bayern gehörenden und erst Mitte des 19. Jahrhunderts von Preussen annektierten und damit zum späteren Hessen gekommenen3 Hochrhön, war Tann einer der wenigen Orte mit teils sozialdemokratischer Mehrheit, ein kleiner roter Fleck in einer vorwiegend schwarzen Gegend. Bei durchaus unterschiedlichen Kräfteverhältnissen in der Gemeindevertretung, verkörperte lange Zeit ein Mann die Konstanz dieser sozialdemokratischen Prägung Tanns: Mein Vater Karl Hilgen, Bürgermeister von 1949 bis 1983.

weiterlesen...

Die Beerdigung des Großvaters im DDR-Nachbardorf…

Tann ist ein kleiner, ruhiger Ort, keine fünf Kilometer von der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfernt, eingerahmt von zwei über 600 Meter hohen Bergen. Die Nähe zur ehemaligen „Zonengrenze“ war für mich und meine Familie eine schmerzliche Situation, weil alle Verwandten meiner Mutter auf der anderen Seite, hinter dem militärisch gesicherten Grenzzaun lebten und für mich fast unerreichbar waren. Die Öffnung der Grenze 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands sind für mich deshalb zutiefst positive Erfahrungen.

Häuserkampf

 Rathaus Kassel – Mitte der 80er Jahre: Häuserkampf. Wie in manchen anderen Städten Deutschland ließen einzelne Besitzer ihre Häuser als Spekulationsobjekte absichtlich herunterkommen. Kasse machen zu Lasten der Bewohner.

weiterlesen...

Als junger Magistratsrat der Stadt Kassel rief das meine Empörung und einen Willen hervor, diesen „Miethaien“ das Handwerk zu legen. Mit Auflagen, Untersagungen und anderen Verfügungen machte ich insbesondere einem dieser Hausbesitzer das Leben schwer und schaffte es letztlich, das Objekt frei und in die Obhut einer seriösen Vermieterin zu bekommen. Jeden Morgen marschierte ich in der heißen Phase von meiner Wohnung auf dem Weg zur Arbeit an diesem Haus im Vorderen Westen vorbei, um nach dem rechten zu sehen – was auch nötig war, denn einmal wurde im Dachstuhl sogar ein Brand gelegt. Zum Sieg gegen den Missbrauch von Eigentum trugen letztlich Viele bei – auch der junge Magistratsrat der Stadt Kassel.

k.o.-verhandelt

 Als mein damaliger Chef, Kassels Oberbürgermeister Hans Eichel, im Jahr 1991 zum Hessischen Ministerpräsidenten gewählt wurde, richtete er auch an mich die Frage, ob ich ihn in die Wiesbadener Staatskanzlei begleiten wolle. Es war keine leichte Entscheidung – aber ich sagte „ja.“ Und so hatte ich ein weiteres Stück Wegs Gelegenheit, als Büroleiter in der Hessischen Staatskanzlei von der Cleverness, der Hartnäckigkeit und dem Geschick des Mannes zu lernen, der einmal mein Mentor war und heute einer der wichtigsten politischen Ratgeber ist.

weiterlesen...

All diese Eigenschaften sind in einem politischen Amt wie dem des Oberbürgermeisters und erst recht in dem des Ministerpräsidenten gefordert – und noch viel mehr.

Einfühlungsvermögen und politisches Verständnis – sollte das nicht reichen, um im politischen Geschäft die Oberhand zu behalten? Mitnichten. An entscheidenden Punkten sind handwerkliche Kniffe und pure Kondition gefragt, um zum Ziel zu gelangen. So wurden ganz entscheidende Verhandlungen zwischen Koalitionspartnern häufig erst dann entschieden, wenn nach nächtelangen Verhandlungen in frühen Morgenstunden das Durchhaltevermögen des einen gegen die Müdigkeit und Nachgiebigkeit des anderen obsiegte. Und unter Dach und Fach war das alles immer erst, wenn die Protokollanten, darunter auch ich, das Verhandlungsergebnis zutreffend zu Papier gebracht hatten.

Frischer Wind aus Kassel

Ist das zu fassen? Kaum zwei Tage im Amt des Regierungspräsidenten, titelt die HNA „Frischer Wind aus Kassel!“ Was war passiert: Ein ganz normaler Pressetermin in Hessisch-Lichtenau-Walburg, wo 1996 die LKW-Schlangen direkt an den Wohnzimmern der Anwohner vorbeidonnerten. Eröffnung des ersten Raumordnungsverfahrens für die künftige A 44 Kassel-Eisenach. Und ich übernahm einen Pressetermin, der schon lange geplant war. Und nur, weil sich da ein neuer Regierungspräsident vor den Medien nicht als Verwalter der rechtlichen Beschränkungen, sondern als Motor für ein Projekt präsentierte, als Interessenvertreter der Menschen entlang dieser schlafraubenden Bundesstraße, kam bei HNA-Redakteur Karl-Hermann Huhn dieser frische Wind an, ein Signal für Zielstrebigkeit und Entschlossenheit. Ein ersehnter Typus Politiker.

Abfallkampf geführt, verloren und doch gewonnen

 

 Ja ist der denn von allen guten Geistern verlassen? Ein SPD-Regierungspräsident im „roten“ Nordhessen, der sich auf eine Auseinandersetzung mit den mächtigen SPD-Landräten in den Kreisen Kassel, Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg einlässt? Das mögen viele Beobachter wohl 1998 gedacht haben, als ich eben diese Landräte dazu verpflichtete, ihren Abfall nicht mehr auf den Deponien, sondern in der gerade modernisierten Kasseler Müllverbrennungsanlage zu entsorgen. Genau das verlangten die geltenden Gesetze. Und genau dafür war ich als Regierungspräsident berufen worden - Parteifreunde hin, Parteifreunde her.

weiterlesen...

Eine Auseinandersetzung mit hohem Risiko. Denn die Landräte wehrten sich gegen die Zuweisung zur Kasseler Anlage – wegen der höheren Kosten und der damit verbundenen Steigerung ihrer Abfallgebühren. Deshalb zogen sie alle rechtlichen Register gegen die Verfügungen des Regierungspräsidiums – und erhielten damit zu einem guten Teil sogar recht.

Und dennoch wurde diese rechtliche Auseinandersetzung nicht zu einer Niederlage für mich. Zum einen, weil sich der Schwalm-Eder-Kreis im Verbund mit Marburg-Biedenkopf doch noch mit der Stadt Kassel verständigte und damit noch heute für die Auslastung der Anlage sorgt. Zum anderen, weil ich den anderen Landräten nicht nur Verfügungen schickte, sondern ihnen im Dialog immer auch vermittelte „ihr“ Regierungspräsident und Vertreter Nordhessens zu bleiben.

Mit den Mitarbeitern auf der Straße

 Ein halbes Jahr zuvor hatte Volker Bouffier im Großen Sitzungssaal des Regierungspräsidiums Kassel noch das Ende dieser Mittelbehörde für den Fall eines Regierungswechsels angekündigt – und genau diese Entwicklung drohte im Frühjahr 1999 ihren Lauf zu nehmen. Als designierter Innenminister einer neuen schwarz-gelben Landesregierung, machte sich eben Volker Bouffier daran, das Programm seiner CDU in den Koalitionsvertrag hineinzubringen.

weiterlesen...

 

Und was passierte? In Kassel entstand auf einmal eine Bewegung unter Mitarbeitern und Unterstützern des Regierungspräsidiums, die sich gegen eine Auflösung der Behörde mit mehr als 1000 Beschäftigten richtete. Aus eigenem Antrieb stellten sich hunderte von Mitarbeitern auf die Straße und sammelten Unterschriften gegen diese unsinnige Maßnahme, demonstrierten in Wiesbaden und mobilisierten Parlamente, Kammern, Verbände und eben die Menschen in Nordhessen.

Nicht in Gießen oder Darmstadt geschah dieses Wunder, dass nämlich die Mitarbeiter einer staatlichen Mittelbehörde breite Unterstützung in der Bevölkerung erhielten, sondern hier in Kassel und nur hier. Weil das Regierungspräsidium Kassel in Hessen immer eine besondere Stellung einnahm – besonders weit weg von Wiesbaden, besonders unabhängig, besonders stark. Und eben, weil auch in den drei Jahren meiner Amtszeit als Regierungspräsident diese Behörde als kompetent, leistungsorientiert und bürgernah wahrgenommen wurde.

„Mein RP.“
Der Kampf „Pro RP“ hatte tatsächlich Erfolg und im Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP wurde tatsächlich der Fortbestand der Mittelbehörden festgeschrieben – ein Resultat, für das die RP-Mitarbeiter in Darmstadt und Gießen noch heute ihren Kolleginnen und Kollegen in Nordhessen dankbar sein können.

Selbst ist die ekom21

 Abhängig von Landeszuschüssen, regional zersplittert und wirtschaftlich in schwerer See – so präsentierten sich die Kommunalen Gebietsrechenzentren im Jahr 1999, als ich zum Direktor des nordhessischen „KGRZ“ in  Kassel berufen wurde. Kein sicherer Traumjob, sondern eine große Herausforderung mit beträchtlichem Risiko. Wie hoch das Risiko tatsächlich war, zeigte sich beim KGRZ Wiesbaden, das wirtschaftlich nicht überlebte und schließlich vom Markt verschwand.

weiterlesen...

Ein Jurist, ein Politiker, der diesen Knoten durchschlagen sollte? In der IT-Branche, von der ich damals nicht mehr verstand als jeder PC-Nutzer?

Aber: Mit dem Schwesterunternehmen in Gießen und Darmstadt und im Verbund einer neu gegründeten Gesellschaft mit dem zukunftsgerichteten Namen ekom21 schafften mein Mit-Geschäftsführer und ich den Durchbruch zu einem modern aufgestellten IT-Dienstleister für die hessischen Kommunen.

Ein Jurist als erfolgreicher IT-Manager? Da bewahrheitete sich ein bewährter Leitsatz, den ich an allen meinen beruflichen Stationen beherzigte: Ich muss nicht alles können, sondern gut zuhören und verstehen, sichere Schlussfolgerungen ziehen, Ziele setzen und konsequent an deren Umsetzung arbeiten. Daraus wächst Vertrauen von und zu Mitarbeitern – und gutes Management. Auch in der IT-Branche.